Aus dem Kapitel
Die Rollenprägung der Geliebten
Der Einfluss der Werthaltungen

Die zornige und gekränkte Frau

Viele Frauen empfinden aufgrund ihrer Sozialisation so viel Angst und Wut, dass sie von diesen Gefühlen ganz eingenommen sind. So wie Liebe hilft, sich von Angst und Wut zu lösen, blockieren Angst und Wut aber auch den Ausdruck liebevoller Gefühle. Unsere Kultur bietet kaum Möglichkeiten, intensive Gefühle auszudrücken. Deshalb stauen sich Angst und Wut über Jahre auf.

Zornige Frauen sind für Männer ebenso bedrohlich wie sexuell selbstbewusste Frauen. Viele Männer fürchten sich vor starken Emotionen. Sie verschließen sich dann erst recht und vermeiden den Kontakt. Frauen können sich aber nur von ihren Kränkungen lösen, wenn sich ihre angestauten Gefühle entladen dürfen. Frauen erlauben sich meistens ebenso wenig zornig zu sein, wie sie sich nicht erlauben lustvoll zu sein. Diese Gefühle zu zeigen, bedeutet die Angst vor Bewertungen zu überwinden und gesellschaftliche Tabus zu brechen. Der ungelebte Zorn schlägt später in Verachtung und Abwertung um.

Frauen verachten ihre Männer dafür, dass sie Sex von ihnen möchten, ohne sich mit den Gefühlen ihrer Frauen auseinander zu setzen. Das Gefühl von Frauen über den Sex Macht über ihre Männer zu bekommen, gibt ihnen für einen Moment das Gefühl, von Überlegenheit, es hilft ihnen nicht, ihren Zorn abzubauen. Männer, die von den Gefühlskonflikten ihrer Frauen meistens gar nichts ahnen, wundern sich nur, dass ihre Frauen so launisch und unzufrieden sind.

Frauen haben mir nach Sitzungen, in denen sie in den Kontakt mit ihrer Wut gekommen sind, berichtet, dass sie zu Hause ihre Wut gegenüber ihrem Partner nicht mehr verbergen konnten. Die Wut löste sich im Streit, wie ein reinigendes Gewitter. Im Verlauf ihres Wutausbruchs spürten sie wieder ihre Lebendigkeit. Sie spürten seit langem wieder Lust auf Sex, aber auf Sex, bei dem der Impuls von ihnen ausgeht.

Viele Frauen hatten nach diesen Klärungen, für einige Monate regelmäßig guten Sex. Sie bedauerten jedoch, dass ihre Männer nicht bereit waren, über ihren Wutausbruch zu sprechen. Unter den Belastungen des Alltages, begannen die Frauen, ihre Wut erneut anzustauen. Sie hatten nicht das Gefühl, das ihr Zorn in der Beziehung akzeptiert wurde. Ihnen fehlte das okay des Partners, ein du darfst so sein wie du bist, du darfst wütend sein.

Wenn sie versuchten über ihren Wutausbruch zu reden, hatten sie den Eindruck, dass das Gespräch ihrem Partner unangenehm war. Sie sahen es als die Schattenseite ihrer Frau und waren erleichtert, dass sie sich mit ihr nicht häufiger beschäftigen mussten. Männer erlaubt euren Frauen wütend zu sein. Es gibt im Leben eurer Frauen leider viele Situationen, die wütend machen. Der Mann, der keine Angst, vor dem Zorn seiner Frau hat, wird von ihr dafür respektiert und geliebt.

Den Zorn leben zu können, gibt der Frau die Energie, aktiv zu werden und sich frei zu fühlen.